Kepware stellt über 150 zertifizierte Kommunikationstreiber bereit, die Modbus, EtherNet/IP, OPC UA, Siemens S7, Allen-Bradley und MQTT abdecken und damit den Zugriff auf Tausende industrieller Geräte über eine einzige Plattform ermöglichen. Die einheitliche OPC-UA-Ausgabe versorgt SCADA-, MES-, ERP- und Cloud-Systeme unabhängig vom darunterliegenden Protokoll. Dieser Leitfaden behandelt den vollständigen Treiberkatalog, die Konfiguration, die Lizenzierung samt Kepware+-Abonnement sowie die Fehlersuche, aus der Perspektive eines europäischen Systemintegrators mit über einem Jahrzehnt Erfahrung in Kepware-Projekten.

Einführung in Kepware

Kepware ist ein Portfolio von Lösungen für industrielle Kommunikation. Entwickelt für Fertigung, Energiewirtschaft, Gebäudeautomation und Prozessindustrie, liefern die Kepware-Lösungen Datenzugriff in Echtzeit und eine reibungslose Protokollkonvertierung. Kepware Server (die Windows-Plattform, früher als KEPServerEX bekannt) verbindet sich über mehr als 150 vorgefertigte Treiber mit praktisch jedem Industriegerät und stellt standardisierte Daten über OPC UA, OPC DA, MQTT und REST bereit. Kepware Edge überträgt dieselbe Konnektivität auf containerisierte Linux-Umgebungen, was schnelleres Skalieren ermöglicht und die Betriebskosten senkt. Kepware+ Manager ergänzt eine sichere SaaS-Steuerungsebene, um alle Kepware-Installationen des Unternehmens aus einer Oberfläche heraus aus der Ferne zu überwachen und zu verwalten.

Was sind Kepware-Treiber?

Ein Kepware-Treiber ist ein Plug-in, das native Geräteprotokolle in eine standardisierte OPC-UA-Schnittstelle übersetzt.

Jeder Kepware-Treiber ist für die Kommunikation mit einer bestimmten Gruppe von Industriegeräten, OPC-Servern oder Client-Anwendungen in der Produktion zuständig. Er arbeitet als Übersetzer: Er verwaltet die Verbindung und sorgt dafür, dass Maschinendaten korrekt gelesen, interpretiert und weitergereicht werden.

Technisch laufen die Treiber innerhalb der Kepware-Server-Laufzeitumgebung und übernehmen die gesamte Datenzugriffsschicht: Protokollaushandlung, Verbindungsverwaltung und die Datentypkonvertierung, die für die Kommunikation mit der jeweiligen Gerätefamilie erforderlich ist. Treiber lassen sich einzeln oder in herstellerspezifischen Suiten wie der Siemens Suite oder der Allen-Bradley Suite lizenzieren und in einer einzigen Kepware-Server-Instanz beliebig kombinieren.

Für Fertigungsunternehmen, die die Komplexität von Treiberauswahl und Lizenzierung vollständig beseitigen wollen, bietet das Kepware+-Abonnement alle verfügbaren Treiber zu einer jährlichen Gebühr und vereinfacht damit Einführung, Skalierung und langfristigen Betrieb.

Architektur: Kanal, Gerät, Tag

Jeder Treiber folgt demselben Schema. Sie legen einen Kanal an, der auf den Treiber verweist und die Transportschicht definiert (Ethernet, serielle Schnittstelle oder serielle Übertragung gekapselt in Ethernet). Innerhalb des Kanals legen Sie ein oder mehrere Geräte an, jeweils mit eigener IP-Adresse oder Knoten-ID, eigener Abfragerate und eigener Tag-Liste. Tags sind die einzelnen Datenpunkte: Registeradressen, symbolische Namen oder protokollspezifische Objekte, die Client-Anwendungen über OPC UA, OPC DA, MQTT oder REST nutzen.

Wie Kepware OT und IT über OPC UA verbindet

Da alle Treiber dieselbe Konfigurationsoberfläche und dieselbe Laufzeitumgebung teilen, ist das Hinzufügen eines neuen Protokolls zu einem bestehenden Projekt unkompliziert: Sie installieren die Treiberlizenz, legen einen neuen Kanal an und konfigurieren die Geräte. Kepware Server übernimmt Multiplexing, die Optimierung von Blocklesevorgängen und die Verwaltung der Client-Sitzungen für alle aktiven Treiber gleichzeitig. Jeder Tag jedes Treibers wird automatisch über die integrierte OPC-Server-Schnittstelle von Kepware Server bereitgestellt. So entsteht ein einheitlicher Unified Namespace, den jede OPC-Client-Anwendung nutzen kann, ob SCADA, MES, Historian oder Cloud-Plattform, ganz ohne treiberspezifische Konfiguration.

Vollständige Liste der Kepware-Protokolle und -Treiber (150+)

Kepware unterstützt über 150 zertifizierte Treiber für SPS-Hersteller, offene Protokolle, OPC-Standards sowie IIoT- und Cloud-Konnektivität.

Die folgende Tabelle ist der zentrale Bezugspunkt für die wichtigsten Kepware-Treiberfamilien, geordnet nach Kategorie. Jeder Treiber ist als Einzellizenz, im Rahmen einer Kommunikations-Suite oder automatisch im Kepware+-Abonnement verfügbar.

KategorieProtokoll / TreiberUnterstützte GeräteSuite
SPS – SiemensSiemens TCP/IP EthernetS7-200, S7-300, S7-400, S7-1200Siemens Suite
SPS – SiemensSiemens S7 Plus EthernetS7-1200, S7-1500 (symbolisch)Siemens Plus Suite
SPS – SiemensSiemens TCP/IP Server (unsolicited)Push-Modell für S7-300/400Siemens Suite
SPS – Allen-BradleyControlLogix Ethernet (EtherNet/IP)ControlLogix, CompactLogix, GuardLogixAllen-Bradley Suite
SPS – Allen-BradleyPLC-5 / SLC-500 EthernetPLC-5, SLC-500Allen-Bradley Suite
SPS – Allen-BradleyDF1 Serial / DH+ SerialPLC-5, SLC-500, MicroLogix (seriell)Allen-Bradley Suite
SPS – Allen-BradleyMicro800 EthernetMicro810/820/830/850Allen-Bradley Suite
SPS – SchneiderModbus TCP / Modbus Plus / UnityM340, M580, Premium, QuantumSchneider Suite
SPS – MitsubishiMC Protocol Ethernet / SerialMELSEC-Q, iQ-R, FX-SerieMitsubishi Suite
SPS – OmronFINS Ethernet / SerialSerien CJ, CS, CP, NJ/NXOmron Suite
SPS – GEEGD / SNP / SNPX / CCMPACSystems RX3i/RX7i, Series 90GE Suite
CNC – FanucFocas Ethernet / HSSBSeries 0i, 16i–35iFanuc Suite
Offenes ProtokollModbus TCP/IP Ethernetbeliebiges Modbus-TCP-GerätModbus Suite
Offenes ProtokollModbus RTU / ASCII SerialModbus-Geräte RS-232/485Modbus Suite
Offenes ProtokollEtherNet/IP (CIP)beliebiges EtherNet/IP-Gerät (außer AB)Manufacturing Suite
Offenes ProtokollPROFINET IO ControllerPROFINET-IO-Geräte (GSDML)Manufacturing Suite
OPCOPC DA ClientOPC-DA-Server von DrittanbieternOPC Connectivity Suite
OPCOPC UA ClientOPC-UA-Server von Drittanbietern, S7-1500 UAOPC Connectivity Suite
IIoT / CloudMQTT ClientMQTT-Broker, IIoT-SensorenIoT Gateway
IIoT / CloudSparkplug BEclipse-Sparkplug-B-Hosts und -GeräteIoT Gateway
EnergieDNP3 Master (Ethernet / Serial)Unterstationen, RTUs, intelligente ZählerPower Suite
EnergieIEC 60870-5-101/104Fernwirkstationen (EU-Netze)Power Suite
EnergieIEC 61850Stationsautomatisierung, IED-KommunikationPower Suite
GebäudeBACnet/IPHLK, Beleuchtung, ZutrittskontrolleBuilding Automation Suite
IT / NetzwerkSNMPSwitches, Router, USV, SensorenIT Suite

Weitere, in der Tabelle nicht aufgeführte Treiber umfassen unter anderem Honeywell HC900/UDC, Yokogawa, Beckhoff TwinCAT, AutomationDirect, Aromat, Toshiba, Toyopuc sowie den System-Monitor-Treiber für Kennzahlen des Windows-Hosts. Der Treiber User Configurable (U-CON) bietet ein generisches Gerüst für eigene serielle und TCP-Protokolle, ganz ohne Programmierung.

Siemens-S7-Treiber

Kepware deckt mit dedizierten Treibern die gesamte S7-Bandbreite ab, von älteren S7-200 bis zu den aktuellen S7-1500.

Die Siemens-Treiber gehören zu den am häufigsten eingesetzten in der europäischen und weltweiten Fertigung. Das Siemens-Treiberportfolio von Kepware ist einzeln, in der Siemens Suite oder der Siemens Plus Suite sowie im Kepware+-Abonnement verfügbar.

Treiber Siemens TCP/IP Ethernet

Dies ist der Standardtreiber für die S7-Kommunikation. Er verbindet sich über eine gewöhnliche Netzwerkschnittstelle per TCP/IP direkt mit den Steuerungen S7-200, S7-300, S7-400 und S7-1200, ohne zusätzliche Middleware oder Siemens-Bibliotheken. Er unterstützt die Verbindungstypen PG, OP und PC und arbeitet mit den Kommunikationsprozessoren CP-243, CP-343 und CP-443 zusammen. Die automatische Tag-Generierung (ATG) aus TIA-Portal-Projekten wird über das TIA Portal Exporter Tool für S7-300, S7-400, S7-1200 und S7-1500 unterstützt. Zu den wichtigsten Funktionen zählen die Optimierung von Block-Lese- und -Schreibvorgängen für eine schnelle Datenerfassung, die Unterstützung des günstigen netLink-Adapters (MPI-zu-Ethernet-Umsetzung) und die Unterstützung von 64-Bit-Datentypen.

Treiber Siemens S7 Plus Ethernet

Der S7-Plus-Treiber bietet über das Protokoll S7 Comm Plus nativen symbolischen Zugriff auf die Steuerungen S7-1200 und S7-1500. Anders als der TCP/IP-Ethernet-Treiber, der mit absoluter Adressierung arbeitet (etwa DB10.DBD4), liest und schreibt S7 Plus über die im TIA Portal definierten symbolischen Tag-Namen. Das erübrigt die manuelle Adresszuordnung und unterstützt optimierte Datenbausteine, was in S7-1200-Projekten (Firmware >= 4.0) und S7-1500-Projekten entscheidend ist, wo der optimierte Bausteinzugriff standardmäßig aktiviert ist. Der Treiber bietet automatische Online-Tag-Generierung direkt aus der SPS, Zugriffsschutz per Kennwort und Zertifikat sowie Unterstützung komplexer Datentypen einschließlich Arrays und Zeitformaten (S5Time, Time, DTL).

S7-300 und S7-400

Diese älteren Steuerungen werden vom Treiber Siemens TCP/IP Ethernet unterstützt. Typische Konfigurationen nutzen Industrial Ethernet mit den Kommunikationsprozessoren CP-343 (für S7-300) oder CP-443 (für S7-400). Der Treiber unterstützt außerdem MPI-Verbindungen über einen netLink-Adapter oder das Siemens-MPI-PC-Adapterkabel. Die automatische Tag-Generierung steht nach dem Export des STEP-7-Projektverzeichnisses zur Verfügung.

S7-1200 und S7-1500

Für die Steuerungen S7-1200 und S7-1500 gibt es zwei Kommunikationswege. Der erste ist der Treiber Siemens TCP/IP Ethernet mit absoluter Adressierung und dem TIA Portal Exporter zur Tag-Generierung. Der zweite, in der Regel empfohlene Weg ist der Treiber S7 Plus Ethernet (oder der OPC-UA-Client-Treiber für die S7-1500), der symbolischen Zugriff und optimierte Datenbausteine nativ unterstützt.

Treiber Siemens TCP/IP Server (unsolicited)

Dieser Treiber kehrt das Kommunikationsmodell um: Statt dass Kepware die SPS abfragt, schiebt die S7-Steuerung die Daten an Kepware Server. Der Treiber emuliert im Netzwerk eine S7-300-Steuerung, sodass eine übergeordnete SPS oder ein SCADA-System direkt in den Tag-Bereich von Kepware schreiben kann. Dieser Ansatz senkt die Netzlast und liefert schnellere Aktualisierungen für ereignisgesteuerte Daten.

Allen-Bradley-/Rockwell-Automation-Treiber

Die Allen-Bradley-Treiber von Kepware decken jede Rockwell-Generation ab, mit automatischer Tag-Generierung und DH+-Routing.

Kepware pflegt im Rahmen des Encompass Partner Program eine enge technologische Partnerschaft mit Rockwell Automation, was die fortlaufende Kompatibilität mit älteren wie aktuellen Allen-Bradley-Steuerungen sicherstellt.

Treiber Allen-Bradley ControlLogix Ethernet

Dies ist der vielseitigste Allen-Bradley-Treiber von Kepware. Er kommuniziert per EtherNet/IP mit ControlLogix-Steuerungen (Serien L5x, L7x, L8x), CompactLogix (Serien L1x, L2x, L3x), FlexLogix, SoftLogix 5800 sowie mit GuardLogix-Sicherheitssteuerungen. Er unterstützt die automatische Tag-Generierung, indem er die Tag-Liste direkt aus der Steuerung ausliest, ohne Export aus RSLogix. Eine besondere Stärke ist das Geräte-Routing: Ein ControlLogix-Rack kann als Gateway zu PLC-5- und SLC-500-Steuerungen in Data-Highway-Plus-Netzen (DH+) oder zu PLC-5C in ControlNet dienen, ganz ohne separate Treiber. Der Treiber unterstützt alle vordefinierten Logix-Strukturtypen (TIMER, COUNTER, AXIS, CAM) und verarbeitet UDTs (benutzerdefinierte Datentypen), indem er komplexe Strukturen in einzelne Tags aufschlüsselt.

Treiber Allen-Bradley PLC-5 / SLC-500 Ethernet

Für direkte Ethernet-Verbindungen zu PLC-5- und SLC-500-Prozessoren (mit integriertem Ethernet-Port oder angebunden über 1761-NET-ENI-Adapter) ist dieser Treiber die Alternative zum Routing über ein ControlLogix-Gateway. Eine RSLinx-Lizenz ist nicht erforderlich.

Treiber Allen-Bradley DF1 und DH+

Die serielle Kommunikation mit Allen-Bradley-Steuerungen übernehmen der DF1-Treiber (Punkt-zu-Punkt oder Halbduplex) und der DH+-Treiber (für Data-Highway-Plus-Netze über eine dedizierte Schnittstellenkarte). Diese Treiber sind in Altanlagen ohne Ethernet-Anbindung unverzichtbar.

Treiber Allen-Bradley Micro800 und MicroLogix

Die Allen-Bradley Suite umfasst außerdem die Unterstützung der Micro800-Serie (Micro810, Micro820, Micro830, Micro850) über Ethernet sowie der MicroLogix 1000, 1100, 1200, 1400 und 1500 über einen NET-ENI-Adapter oder direkt über Ethernet, sofern unterstützt.

Modbus-TCP-/RTU-Treiber

Die Modbus-Treiber von Kepware decken TCP, RTU, ASCII sowie branchenspezifische Varianten wie Enron und Lufkin Modbus ab.

Modbus TCP (Ethernet)

Der Modbus-Ethernet-Treiber kommuniziert mit jedem Modbus-TCP-fähigen Gerät in üblichen TCP/IP-Netzen. Er unterstützt Master- (Client-) und Slave- (Server-)Betrieb, konfigurierbares Blocken von Coils und Registern sowie null- und einsbasierte Adressierungskonventionen. Die Bytereihenfolge lässt sich zwischen dem Modbus-Format (Big-Endian) und Intel (Little-Endian) umschalten, um Geräte unterschiedlicher Hersteller zu bedienen.

Modbus RTU und ASCII (seriell)

Die seriellen Modbus-Treiber unterstützen RS-232- und RS-485-Kommunikation im RTU- (binären) oder ASCII- (textbasierten) Rahmenformat. Eine effiziente Ethernet-Kapselung erlaubt den Einsatz serieller Modbus-Protokolle über Ethernet-zu-Seriell-Umsetzer, ein häufiges Szenario, wenn ältere Feldgeräte in eine Ethernet-Infrastruktur überführt werden.

Modbus-Varianten

Kepware unterstützt außerdem mehrere branchenspezifische Varianten, darunter Enron Modbus (eingesetzt in Durchflussrechnern der Öl- und Gasindustrie) und Lufkin Modbus (für Steuerungen von Gestängetiefpumpen und Frequenzumrichter). Diese Varianten bedienen die nicht standardisierten Registerabbildungen und Datenkodierungen spezialisierter Feldgeräte.

PROFINET-Treiber

Der PROFINET-Treiber von Kepware arbeitet als IO-Controller für den in Europa dominierenden Feldbusstandard.

PROFINET (Process Field Network) ist in Europa besonders in der Automobilindustrie, der Lebensmittelbranche und der Pharmaproduktion verbreitet. Der PROFINET-Treiber von Kepware liest zyklische Daten von PROFINET-IO-Geräten und verarbeitet Alarm- und Diagnoseinformationen. Er ermöglicht Kommunikation der Echtzeitklasse (RT) sowie eine Parametrierung auf Basis von Standard-TCP/IP. Die Konfiguration erfordert den Import einer GSDML-Datei (General Station Description Markup Language) für jeden Gerätetyp, die die verfügbaren Module, Submodule und Datenformate beschreibt.

EtherNet/IP-Treiber

Die EtherNet/IP-Treiber von Kepware unterstützen implizite und explizite CIP-Nachrichten in herstellerübergreifenden Umgebungen.

EtherNet/IP (Ethernet Industrial Protocol) ist das Anwendungsschichtprotokoll der ControlLogix- und CompactLogix-Plattformen von Rockwell Automation, wird aber auch von Geräten von Omron, Schneider Electric, Moxa und vielen weiteren Herstellern unterstützt. Kepware bietet zwei Wege der EtherNet/IP-Anbindung. Für Allen-Bradley ControlLogix und CompactLogix ist der Treiber AB ControlLogix Ethernet die erste Wahl. Für EtherNet/IP-Geräte außerhalb von Allen-Bradley, etwa von Omron, Schneider oder Moxa, stellt Kepware einen eigenständigen EtherNet/IP-Treiber (CIP) bereit. Damit wird Kepware in gemischten Umgebungen zur universellen Lösung.

Kepware OPC Connectivity Suite

Die Treiber der OPC-Schicht von Kepware verbinden und aggregieren Daten aus OPC-DA- und OPC-UA-Servern von Drittanbietern.

Treiber OPC DA Client

Der OPC-DA-Client-Treiber ermöglicht Kepware Server die Verbindung zu OPC-DA-Servern von Drittanbietern und die erneute Bereitstellung ihrer Daten über die eigenen OPC-UA-, REST- oder MQTT-Schnittstellen. Das ist besonders nützlich, um Daten aus mehreren älteren OPC-DA-Servern an einem einzigen, modernen Zugangspunkt zu konsolidieren. Der Treiber unterstützt das Durchsuchen des Namensraums des entfernten Servers, den automatischen Tag-Import und konfigurierbare Aktualisierungsraten. Auch Redundanz auf Medienebene wird unterstützt, also die Umschaltung zwischen primärem und sekundärem OPC-DA-Server.

Treiber OPC UA Client

Der OPC-UA-Client-Treiber verbindet sich mit entfernten UA-Endpunkten, authentifiziert sich per Zertifikat oder mit Benutzername und Kennwort, durchsucht oder importiert Knoten und stellt sie als Tags im lokalen Kepware-Projekt bereit. Dieser Treiber ist zentral für die Siemens Plus Suite, wo er über den in der SPS integrierten OPC-UA-Server Zugriff auf S7-1500-Steuerungen eröffnet. Er ermöglicht zudem die standortübergreifende Datenaggregation, etwa die Anbindung einer zentralen Kepware-Server-Instanz an OPC-UA-Server in mehreren Werken.

Konfiguration des OPC-UA-Servers in Kepware

Kepware Server enthält eine native OPC-UA-Server-Schnittstelle, sodass jeder Tag jedes Treibers automatisch für jeden OPC-UA-Client verfügbar ist. Eine sichere Inbetriebnahme erfordert die Konfiguration der Sicherheitsrichtlinien für Endpunkte (empfohlen ist Basic256Sha256; der Modus „None“ sollte im Produktivbetrieb deaktiviert werden, entgegen einer hartnäckigen Gewohnheit), die Verwaltung der Client-Zertifikate (Verschieben aus dem Verzeichnis „rejected“ nach „trusted“) sowie die Abstimmung von Leistungsparametern wie Veröffentlichungsintervallen, Warteschlangengrößen und Abtastraten je Abonnement.

Moderne IIoT-Konnektivität: MQTT, Sparkplug B und Cloud

Kepware Server sendet Maschinendaten über die integrierten MQTT- und Sparkplug-B-Treiber direkt an Cloud-Plattformen.

Die IIoT-Treiber von Kepware machen zusätzliche Gateway-Software zwischen Shopfloor und Cloud-Plattformen wie AWS IoT, Azure IoT Hub oder ThingWorx überflüssig. Dieser Abschnitt behandelt die Konfiguration des MQTT-Client-Treibers, das Datenformat Sparkplug B und die Architektur der Cloud-Integration.

MQTT-Client-Treiber: Broker-Konfiguration

Der MQTT-Client-Treiber abonniert Topics, die von IIoT-Geräten, Edge-Gateways oder Cloud-Brokern veröffentlicht werden, und führt diese Daten in den Tag-Bereich von Kepware ein. Wichtige Konfigurationsparameter sind URL und Port des Brokers (standardmäßig 1883 für TCP, 8883 für TLS-verschlüsselte Verbindungen), die Quality-of-Service-Stufe (QoS 0 für höchstens einmal, QoS 1 für mindestens einmal, QoS 2 für genau einmal), eigene Topic-Strukturen sowie Regeln für das Parsen von JSON-Nutzdaten. Der Treiber unterstützt SSL/TLS-Verschlüsselung (TLS 1.0/1.1 für ältere Geräte verfügbar, TLS 1.2 und neuer für neue Projekte nachdrücklich empfohlen) und kann Tags dynamisch aus der eingehenden MQTT-Topic-Hierarchie erzeugen, was die Konfiguration bei einer großen Zahl von IIoT-Sensoren vereinfacht.

Kepware bietet über das IoT-Gateway-Plug-in zusätzlich eine serverseitige MQTT-Funktion, die OPC-Daten aus Kepware an externe MQTT-Broker veröffentlicht. Der MQTT-Client-Treiber arbeitet in die entgegengesetzte Richtung: Er führt externe MQTT-Daten in Kepware ein.

Integration mit ThingWorx und Cloud-Plattformen

Kepware Server integriert sich über die AlwaysOn™-Verbindung und das ThingWorx Interface Configurator Tool (TIC) nativ mit der IIoT-Plattform ThingWorx von PTC. Das ergibt eine dauerhafte, sichere ausgehende Verbindung vom Shopfloor zu Dashboards, Analytik und Mashup-Anwendungen in ThingWorx. Für Azure IoT Hub und AWS IoT Core veröffentlicht das IoT-Gateway-Plug-in Gerätedaten per MQTT oder REST mit TLS-Verschlüsselung und plattformspezifischer Authentifizierung (SAS-Token für Azure, X.509-Zertifikate für AWS). Die typische Edge-to-Cloud-Architektur sieht so aus: SPS → Kepware Server (Treiber) → IoT Gateway (MQTT) → Cloud-Broker → Analytik in ThingWorx / Azure / AWS.

BACnet-Treiber (Gebäudeautomation)

Der BACnet/IP-Treiber von Kepware bindet HLK, Beleuchtung und Zutrittskontrolle in dieselbe OPC-Infrastruktur ein.

Der Treiber unterstützt die BACnet-Objekttypen, darunter Analog Input, Analog Output, Binary Input, Binary Output und Multi-State-Objekte. Er beherrscht den Erkennungsmechanismus „Who-Is“ und „I-Am“, COV-Abonnements (Change of Value) für eine effiziente Datenaktualisierung sowie das Auslesen von Trend-Logs aus BACnet-Geräten. BACnet ist Teil der Kepware Building Automation Suite, die außerdem die Modbus-Treiber und den Treiber User Configurable (U-CON) enthält und damit maximale Flexibilität in GLT-Integrationsprojekten bietet.

DNP3-Treiber (Energie- und Wasserwirtschaft)

Der DNP3-Master-Treiber von Kepware ermöglicht verschlüsselte SCADA-Kommunikation mit SAv5 und AES 256 Key Wrap.

DNP3 (Distributed Network Protocol) ist das Standardprotokoll für SCADA-Kommunikation in der Energiewirtschaft, der Wasser- und Abwasserwirtschaft sowie bei Öl- und Gaspipelines. Der DNP3-Treiber von Kepware (verfügbar für Ethernet- und serielle Verbindungen) verbindet sich mit Geräten in Unterstationen und ruft Binäreingänge, Analogeingänge, Zähler und Steuerausgänge ab. Er unterstützt sowohl angeforderte (abgefragte) als auch unaufgeforderte (ereignisgesteuerte) Datenmeldungen, die Zeitsynchronisation mit Unterstationen sowie die klassenbasierte Abfrage (Klasse 0 für statische Daten, Klassen 1, 2 und 3 für Ereignisse), was eine präzise Steuerung von Erfassungsrate und Bandbreitennutzung erlaubt. Die DNP3-Treiber sind in der Power Distribution Suite und als Einzellizenzen erhältlich. Für kleinere Anlagen gibt es eine auf zehn Geräte begrenzte Variante.

Schritt für Schritt: ein Gerät in Kepware hinzufügen

Jeder Kepware-Treiber nutzt dieselbe Konfigurationshierarchie: Kanal → Gerät → Tag.

  1. Kanal anlegen. Klicken Sie in der Konfigurationsoberfläche von Kepware Server mit der rechten Maustaste auf den Projektknoten und wählen Sie „New Channel“. Wählen Sie den passenden Treiber aus der Auswahlliste (etwa „Siemens TCP/IP Ethernet“ oder „Modbus TCP/IP Ethernet“). Geben Sie dem Kanal einen aussagekräftigen Namen, der das Netzsegment oder die Gerätegruppe widerspiegelt.
  2. Transportschicht konfigurieren. Wählen Sie die Netzwerkkarte (bei Ethernet-Treibern) oder den COM-Port (bei seriellen Treibern). Für Ethernet-Treiber genügen die Standardeinstellungen in der Regel. Für serielle Treiber stellen Sie Baudrate, Parität, Datenbits und Stoppbits passend zum Zielgerät ein.
  3. Optimierungsparameter festlegen. Wählen Sie den Schreiboptimierungsmodus: „Write All Values“ (sendet jeden Schreibvorgang an das Gerät) oder „Write Only Latest Value“ (fasst schnell aufeinanderfolgende Schreibvorgänge zusammen). Wählen Sie einen Arbeitszyklus, der Antwortzeit und Prozessorlast ausbalanciert.
  4. Gerät hinzufügen. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den neuen Kanal und wählen Sie „New Device“. Geben Sie den Gerätenamen ein und wählen Sie das Modell aus der vom Treiber unterstützten Liste. Tragen Sie die Gerätekennung ein, üblicherweise die IP-Adresse bei Ethernet-Geräten oder die Stationsadresse bei seriellen Geräten.
  5. Kommunikationsparameter konfigurieren. Je nach Treiber sind protokollspezifische Parameter erforderlich. Bei Siemens S7 sind das Rack-Nummer, CPU-Slot und Verbindungstyp (PG, OP oder PC). Bei Allen-Bradley ControlLogix sind es die Slot-Nummer im Rack und gegebenenfalls der Routing-Pfad über ein Gateway.
  6. Zeiten einstellen. Legen Sie den Anfrage-Timeout fest (wie lange Kepware auf eine Antwort wartet), die Zahl der Wiederholungen und die Abtastrate. Beginnen Sie mit konservativen Werten (etwa 3000 ms Timeout, 3 Wiederholungen, 1000 ms Abtastung) und optimieren Sie, sobald die Kommunikation bestätigt ist.
  7. Tags hinzufügen. Tags lassen sich manuell durch Eingabe der Adresse hinzufügen (etwa „DB10.DBD4“ für Siemens, „N7:0“ für Allen-Bradley SLC, „40001“ für Modbus) oder automatisch generieren, sofern Treiber und Gerät dies unterstützen.
  8. Im Quick Client prüfen. Öffnen Sie den Kepware Quick Client (Bestandteil jeder Installation), um zu bestätigen, dass die Tags korrekte Daten liefern. Prüfen Sie, ob alle die Qualität „Good“ haben. Ein Tag mit der Qualität „Bad“ weist auf ein Konfigurations- oder Kommunikationsproblem hin, das zu beheben ist.

Automatische Tag-Generierung (ATG)

Viele Kepware-Treiber unterstützen die automatische Tag-Generierung, die die Tag-Datenbank des Geräts ausliest und die entsprechenden Tags im Kepware-Projekt anlegt, ohne dass Adressen von Hand eingetragen werden müssen. Bei Siemens S7 läuft ATG über das TIA Portal Exporter Tool (für S7-300/400/1200/1500) oder über den direkten Online-Abruf (S7-Plus-Treiber für S7-1200/1500). Bei Allen-Bradley ControlLogix ruft ATG die vollständige Tag-Liste direkt aus der Steuerung ab, ohne Export aus RSLogix. Auch der Import einer Rockwell-L5X-Projektdatei wird unterstützt. ATG verkürzt die Inbetriebnahme bei Projekten mit Hunderten oder Tausenden Tags erheblich.

Treiber-Suiten oder Einzellizenzen: die richtige Wahl

Kepware bietet Lizenzen für einzelne Treiber, Kommunikations-Suiten sowie das Kepware+-Abonnement, das alles abdeckt.

Die Wahl des Lizenzmodells hängt von der Zahl der Protokolle im Projekt, der Vielfalt des Gerätebestands und davon ab, ob eine zentrale Verwaltung benötigt wird. Die folgende Tabelle fasst die fünf gängigsten Kommunikations-Suiten zusammen.

SuiteEnthaltene TreiberTypischer Einsatz
Siemens SuiteTCP/IP Ethernet, S5 Serial, S5 3964R, S7-200 Serialreines Siemens-Werk
Siemens Plus SuiteSiemens Suite + S7 Plus Ethernet + OPC UA Clientsymbolischer Zugriff auf S7-1500 und standortübergreifende Aggregation
Allen-Bradley SuiteControlLogix Ethernet, PLC-5/SLC Ethernet, DF1, DH+, Micro800, MicroLogixvollständiges Rockwell-Ökosystem
Manufacturing Suiteüber 100 Treiber: Siemens, AB, Modbus, PROFINET, Omron, Mitsubishi, GE, Fanuc und weitereFertigung mit Geräten mehrerer Hersteller
Advanced Manufacturing Suitealle Kepware-Treiber + DataLogger + Link Tagsmaximale Abdeckung in einer unbefristeten Lizenz

Für Unternehmen, die die Advanced Manufacturing Suite erwägen, bietet das Kepware+-Abonnement bei vergleichbarer Abdeckung langfristig meist den besseren Gegenwert und enthält zusätzlich Kepware+ Manager sowie automatische Updates.

Einzeltreiberlizenz oder Kepware+-Abonnement

Eine Einzeltreiberlizenz ist die richtige Wahl, wenn ein Projekt nur ein Protokoll nutzt (etwa ausschließlich Modbus TCP) und sich der Umfang voraussichtlich nicht erweitert. Sie hält die Anfangskosten niedrig und eignet sich für einfache, klar abgegrenzte Installationen.

Das Kepware+-Abonnement richtet sich an Unternehmen, die in herstellerübergreifenden Umgebungen oder an mehreren Standorten arbeiten. Eine jährliche Gebühr deckt alle über 150 Treiber, sämtliche erweiterten Plug-ins, Kepware+ Manager und jedes während der Laufzeit veröffentlichte Update ab. Kepware+ macht die Auswahl und Verwaltung einzelner Treiber überflüssig, verlagert die Kosten von CAPEX auf planbares jährliches OPEX und beseitigt das Risiko, bei der Inbetriebnahme oder einem Audit einen nicht lizenzierten Treiber zu entdecken.

Mit dem Kepware+-Abonnement erhalten Sie:

  • Zugriff auf alle rund 150 Kepware-Kommunikationstreiber
  • keine Notwendigkeit, einzelne Treiber separat zu lizenzieren
  • Updates und neue Treiber für die gesamte Laufzeit inklusive
  • Lizenzverwaltung über Kepware+ Manager
  • die Möglichkeit, das Abonnement sowohl mit Kepware Server (Windows) als auch mit Kepware Edge (Linux, containerisierte Umgebungen) zu nutzen

Lizenzierung der Kepware-Treiber: Modelle und Preise

Die Kepware-Lizenzierung erfolgt auf Serverebene zuzüglich Treibern, wahlweise unbefristet oder im Abonnement.

So schätzen Sie die Kosten eines Projekts

Für die Kalkulation einer Kepware-Lizenz ist zu klären:

  • wie viele Kepware-Server-Instanzen eingesetzt werden (jede benötigt eine eigene Serverlizenz)
  • welche Protokolle und Gerätefamilien an jedem Standort vorkommen
  • welches Lizenzmodell am wirtschaftlichsten ist (Einzeltreiber, Kommunikations-Suite oder Kepware+-Abonnement)
  • ob eine zentrale Verwaltung nötig ist, etwa über Kepware+ Manager

Für ein typisches mittelgroßes IIoT-Projekt mit einer Kepware-Server-Instanz, die Siemens-S7-, Modbus-TCP- und MQTT-Geräte anbindet, bieten die Manufacturing Suite oder das Kepware+-Abonnement in der Regel mehr Gegenwert als der Kauf von drei getrennten Treiberlizenzen samt separater Supportverträge, und sie verbessern zugleich die betriebliche Effizienz, weil Lizenzierung, Einführung und laufender Betrieb einfacher werden.

Branchenanwendungen: Treiberauswahl in der Praxis

Die Treiberauswahl hängt von Branche und Gerätebestand ab: Die Automobilindustrie nutzt S7 und AB, die Energiewirtschaft DNP3 und IEC 61850.

Die folgenden Abschnitte ordnen typischen Branchen die Kepware-Treiber und Kommunikations-Suiten zu, die in der jeweiligen Umgebung am häufigsten zum Einsatz kommen.

Diese Treiber und Suiten sind sowohl als unbefristete Lizenzen als auch im Kepware+-Abonnement erhältlich, das zusätzlich zentrale Verwaltung, Cloud-Provisionierung und flexible Skalierung bietet. Kepware-Produkte werden „à la carte“ verkauft, je nach benötigten Treibern und erweiterten Plug-ins, woraus sich der Preis ergibt. Viele Kepware-Produkte kennen keine Tag- oder Gerätegrenze, manche werden jedoch in Stufen nach Geräte- oder Tag-Zahl verkauft.

Automobilindustrie und diskrete Fertigung

Automobillinien kombinieren typischerweise Siemens-S7-1500-Steuerungen (Linienführung), Allen-Bradley ControlLogix (Zellensteuerung und Roboterintegration) sowie Modbus-TCP-E/A-Module. Kepware Server erfasst OEE-Daten (Taktzeiten, Ausschusszahlen, Stillstandsereignisse) über alle drei Protokollfamilien hinweg und liefert sie als einheitlichen OPC-UA-Strom an MES-Systeme und Analyseplattformen. Die Manufacturing Suite oder das Kepware+-Abonnement deckt alle benötigten Treiber mit einer Lizenz ab.

Energie- und Wasserwirtschaft (DNP3, IEC 61850)

SCADA-Umgebungen der Energiewirtschaft setzen auf DNP3 für die Kommunikation mit Unterstationen, IEC 60870-5-104 für die weiträumige Fernwirktechnik und zunehmend auf IEC 61850 für die Stationsautomatisierung der neuen Generation. Die Power Suite von Kepware enthält die Treiber DNP3 (mit Secure Authentication v5), IEC 60870-5 und IEC 61850. Smart-Metering-Projekte ergänzen häufig Modbus TCP zur Erfassung der Zählerdaten.

HLK und Gebäudemanagement (BACnet)

Gebäudeleitsysteme nutzen BACnet/IP für HLK-Regler, Modbus RTU für ältere Stellantriebe und Sensoren sowie zunehmend MQTT für IoT-fähige Gebäudegeräte. Die Building Automation Suite von Kepware enthält die Treiber BACnet/IP, Modbus und U-CON. Werden GLT-Daten in denselben OPC-UA-Namensraum wie die Produktionsdaten eingebunden, sind ein konsistentes Energiemanagement und eine Objektüberwachung auf einem einzigen Dashboard möglich.

Eigene Treiber und Kepware-Erweiterungen

Mit dem Plug-In Development Kit (PDK) lassen sich eigene Treiber in .NET oder C++ für nicht unterstützte Geräte entwickeln.

Wenn keiner der über 150 Standardtreiber von Kepware ein bestimmtes Gerät oder ein proprietäres Protokoll abdeckt, bietet Kepware mehrere Wege, die Plattform zu erweitern.

Plug-In Development Kit (PDK): wann ein eigener Treiber nötig ist

Das PDK ist ein Entwicklungsgerüst, mit dem Integratoren und OEMs vollständig native Kepware-Server-Treiber in .NET (C#) oder C++ unter Microsoft Visual Studio erstellen können. Ein mit dem PDK gebauter Treiber verhält sich genau wie ein werkseitiger Kepware-Treiber: Er erscheint im Assistenten zum Anlegen eines Kanals, folgt der Standardhierarchie Kanal → Gerät → Tag und stellt Tags über die Schnittstellen OPC UA, OPC DA, MQTT und REST bereit.

Das PDK wird in der Regel benötigt, um proprietäre serielle Protokolle älterer Laborgeräte, untypische Steuerungen kleiner OEM-Hersteller oder spezialisierte Industriegeräte ohne standardisierte Kommunikationsschnittstellen anzubinden. Zertifizierte Kepware-Partner wie TT PSC können sowohl das Abonnement bereitstellen als auch eigene PDK-Treiber im eigenen Team entwickeln, was einen einzigen Ansprechpartner von der Lizenz bis zum fertigen Treiber ergibt.

Universal Device Driver (UDD): ohne Programmierung

Für einfachere Protokollanpassungen erlauben der Treiber User Configurable (U-CON) und der Universal Device Driver (UDD) Ingenieuren, eigene serielle oder TCP/IP-Protokolle rein per Konfiguration zu definieren. Die Nachrichtenstruktur (Kopf, Nutzdaten, Prüfsumme), die Parsing-Regeln und das Antwortformat werden in der Konfigurationsoberfläche von Kepware festgelegt. Dieser Ansatz eignet sich für Geräte mit einfachen Anfrage-Antwort-Protokollen, bei denen ein vollständiges PDK-Projekt unverhältnismäßig wäre.

V-Code- und TEK-Treiber: historische Formate

Ältere Kepware-Installationen können Treiber enthalten, die auf den früheren Gerüsten V-Code oder TEK beruhen. Diese Formate stammen aus der Zeit vor dem heutigen PDK und werden nicht mehr weiterentwickelt. Kepware empfiehlt, V-Code- und TEK-Treiber beim Umstieg auf aktuelle Kepware-Server-Versionen auf PDK-basierte Implementierungen zu migrieren, da das PDK-Gerüst bessere Leistung, höhere Sicherheit und Kompatibilität mit der Fernkonfiguration im Kepware+ Manager bietet.

Das Kepware+-Abonnement, das die Treiberkomplexität beseitigt

Kepware+ bündelt alle Treiber, Plug-ins und eine SaaS-Verwaltungsebene in einem jährlichen Abonnement.

Das klassische Lizenzmodell von Kepware, bei dem jeder Treiber oder jede Kommunikations-Suite einzeln erworben wird, funktioniert in Projekten mit einem Protokoll gut. Sobald Produktionsumgebungen jedoch wachsen und der Gerätebestand heterogen und über mehrere Standorte verteilt ist, wird die Verwaltung dutzender Einzellizenzen zur administrativen Last. Kepware+ löst dieses Problem an der Wurzel.

Wie Kepware+ die Treiberlizenzierung vereinfacht

Mit einem Kepware+-Abonnement erhält ein Unternehmen unter einer einzigen Lizenz-ID Zugriff auf jeden verfügbaren Kepware-Treiber und jedes Plug-in. Es entfällt die Prüfung, welche Protokolle an welchem Standort im Einsatz sind, ebenso das Risiko, mitten in der Inbetriebnahme einen nicht lizenzierten Treiber zu entdecken, und die Beschaffungsverzögerung, wenn ein neuer Gerätetyp in die Halle kommt. Was Kepware Server unterstützt, deckt die Kepware+-Lizenz ab, von Siemens S7 und Allen-Bradley bis MQTT, Sparkplug B, BACnet, DNP3 und jedes Nischenprotokoll dazwischen. Das Abonnement schließt außerdem den automatischen Zugriff auf alle neuen Treiber und Updates während der Laufzeit ein. Support und Wartung sind standardmäßig enthalten, ein separater Verlängerungsprozess entfällt.

Zentrale Verwaltung im Kepware+ Manager

Jedes Kepware+-Abonnement enthält den Zugang zu Kepware+ Manager, einer sicheren SaaS-Plattform zur Fernüberwachung, -konfiguration und -verwaltung aller lokalen Kepware-Server- und Kepware-Edge-Instanzen aus einer einzigen Oberfläche. Die Plattform dient als zentrale Informationsquelle zu Konfiguration und Status der Installationen und erlaubt Administratoren, Kanäle, Geräte, Tags und Gateway-Einstellungen schnell aufzufinden und zu bearbeiten, ohne vor Ort zu sein.

OT-Teams und Instandhaltungsverantwortliche können vollständige Projektkonfigurationen zwischen Servern importieren und exportieren, was standardisierte Rollouts über mehrere Standorte ermöglicht, zentrale Projektsicherungen mit Wiederherstellung per Klick führen und eine Versionsübersicht nutzen, die den Softwarestand jeder Kepware-Instanz nachhält. Kepware+ Manager liefert zudem detaillierte Audit-Protokolle, die jede Konfigurationsänderung mit Benutzeridentität und Zeitstempel festhalten, was den Nachweis der Konformität mit IEC 62443, der NIS2-Richtlinie (in Deutschland umgesetzt durch das NIS2UmsuCG und das BSIG) sowie internen Change-Management-Vorgaben erleichtert.

Bessere Cybersicherheitslage

Kepware+ stärkt die OT-Cybersicherheit in den eingesetzten Industrieanwendungen unmittelbar. Das Abonnementmodell sorgt dafür, dass jede Installation stets Anspruch auf die neuesten Sicherheitspatches hat, und beseitigt damit das klassische Risiko, wegen eines abgelaufenen Supportvertrags eine veraltete, ungepatchte Kepware-Version zu betreiben. Kepware+ Manager schafft zentrale Transparenz, sodass Sicherheitsteams nicht konforme oder veraltete Installationen kritischer Software im gesamten Unternehmen von einer Oberfläche aus erkennen können.

Die Plattform nutzt TLS-verschlüsselte Kommunikation zwischen der SaaS-Steuerungsebene und den lokalen Edge-Agenten, ein Identitätsmanagement auf Basis von Microsoft Entra ID (früher Azure Active Directory), Zertifikatsauthentifizierung und eine rollenbasierte Zugriffskontrolle nach dem Prinzip der geringsten Rechte. Kepware+ Manager überträgt und speichert keinerlei Prozesstelemetrie des Unternehmens; er dient ausschließlich als sicherer Steuerkanal für die Konfiguration verteilter Kepware-Installationen.

Wann Kepware+ sinnvoll ist

Kepware+ ist die wirtschaftliche Wahl für Unternehmen, die mehr als eine Handvoll Kepware-Instanzen betreiben, einen herstellerübergreifenden Gerätebestand an mehreren Standorten verwalten oder unter regulatorischem Druck stehen, die OT-Kommunikationsschicht zu standardisieren und abzusichern. Das Abonnementmodell überführt Kepware von einer Investitionsausgabe je Treiber in planbare jährliche Betriebskosten, was die Budgetierung vereinfacht und Beschaffungsreibung beim Hochskalieren von Projekten beseitigt.

Für Unternehmen, die ihren Weg ins IIoT beginnen oder eine bestehende Kepware-Installation ausbauen, ist das Kepware+-Abonnement der schnellste Weg zu vollständiger Protokollabdeckung mit integrierter Sicherheit und Verwaltung auf Unternehmensniveau.

Fehlersuche bei Verbindungen der Kepware-Treiber

Ereignisprotokoll, Statistikansicht und Quick Client in Kepware Server lokalisieren Kommunikationsprobleme ohne externe Werkzeuge.

Auch bei sorgfältiger Konfiguration treten Kommunikationsprobleme auf. Die folgende Tabelle fasst die häufigsten Fehlerbilder, ihre Ursachen und die empfohlenen Lösungen zusammen.

ProblemLösung
„Unable to connect to device“Pingen Sie das Gerät vom Kepware-Host aus an; prüfen Sie die Firewall-Regeln für den Treiberport (102 für S7, 44818 für AB, 502 für Modbus)
Tags mit Qualität „Bad“Prüfen Sie die Treiberhilfe (F1) auf die korrekte Adresssyntax; kontrollieren Sie, ob der Datentyp zum Geräteregister passt
Sporadische TimeoutsErhöhen Sie Anfrage-Timeout und Wiederholungszahl; setzen Sie 120-Ω-Abschlusswiderstände am RS-485 ein
Langsame AbtastungAktivieren Sie Blocklesevorgänge; prüfen Sie die Diagnose auf Kanalebene hinsichtlich Anfragezeiten und Warteschlangentiefe
Treiber im Kanalassistenten nicht verfügbarÖffnen Sie das Lizenz-Tool (Infobereich); prüfen Sie den Lizenzschlüssel; aktivieren Sie über das Portal My Kepware
Tags bleiben auf dem Startwert stehenVerringern Sie die Abtastrate; deaktivieren Sie die Option Cache-first; prüfen Sie die Abfrageberechtigungen auf Geräteseite
Verbindung bricht nach SPS-Neustart abAktivieren Sie die automatische Wiederverbindung in den Geräteeigenschaften; setzen Sie das Intervall (Standard 3 s)
OPC-UA-Client kann Tags nicht durchsuchenVerschieben Sie das Client-Zertifikat in das Verzeichnis „trusted“; gleichen Sie die Sicherheitsrichtlinie ab (Basic256Sha256)
Modbus-Fehler „Illegal Data Address“Wechseln Sie die Adressierungskonvention in den Treibereinstellungen; gleichen Sie die Registerabbildung mit der Gerätedokumentation ab
Hohe CPU-Last auf dem Kepware-Server-HostErhöhen Sie das Abtastintervall; nutzen Sie bedarfsgesteuerte Abfrage; reduzieren Sie den Detailgrad des Ereignisprotokolls

Das Ereignisprotokoll von Kepware Server ist das wertvollste Diagnosewerkzeug und sollte die erste Anlaufstelle sein, wenn Kommunikationsprobleme auftreten. Es zeichnet jeden Verbindungsversuch, jeden Timeout, jeden Protokollfehler und jede Konfigurationsänderung mit genauem Zeitstempel auf. Durch Filtern nach Kanal oder Gerät lässt sich das Problem rasch eingrenzen. Typische Fehlercodes umfassen die Werte STS (Status) und EXTSTS (erweiterter Status) bei Allen-Bradley-Treibern sowie die S7-Fehlerklassen bei Siemens-Treibern; es lohnt sich, sie mit der Hilfe des jeweiligen Treibers abzugleichen, um die genaue Ursache und die empfohlenen Abhilfemaßnahmen zu bestimmen.

FAQ: die häufigsten Fragen zu Kepware-Treibern

Hier die Fragen, die Automatisierungsingenieure und Produktionsverantwortliche zu Kepware-Treibern am häufigsten stellen.

Kepware Server bietet über 150 zertifizierte Kommunikationstreiber, die praktisch jedes Industrieprotokoll und jede Gerätefamilie abdecken, von älteren seriellen Steuerungen bis zu modernen IIoT- und Cloud-Plattformen. Die vollständige Liste finden Sie in der Protokolltabelle oben.

Support und Ressourcen für Kunden

Kepware+-Abonnenten erhalten Support, Updates und Kepware+ Manager im Rahmen ihres Abonnements.

Über ein eigenes Supportportal stehen Dokumentation, Anleitungen und FAQ bereit, die Konfiguration, Verwaltung und Fehlersuche erleichtern. Kunden können sich in ihrem My-Kepware-Konto anmelden, um die ihren Lizenzen zugeordneten Ressourcen abzurufen, oder das technische Supportteam von Kepware zu Installation, Migration, Konfiguration, Updates, Lizenzverwaltung und Fehlersuche kontaktieren.

Ein Support- und Wartungsprogramm wird für Inhaber unbefristeter Lizenzen mit Laufzeiten von einem, zwei oder drei Jahren angeboten. Kepware+-Abonnenten erhalten sämtlichen Support, Wartung und Produktupdates automatisch, ohne separaten Verlängerungsprozess.

Brauchen Sie Unterstützung bei der Konfiguration von Kepware-Treibern in Ihrer Umgebung?

Ein Kepware+-Abonnement über TT PSC ist mehr als ein Lizenzgeschäft. Es ist der Ausgangspunkt für eine strukturierte Zusammenarbeit auf Basis von über einem Jahrzehnt Kepware-Praxis in mehr als 15 Ländern:

  • Architekturprüfung und Scoping ab dem ersten Tag, damit das Abonnement zu Ihrer Umgebung passt
  • sichere Konfiguration und Inbetriebnahme von Kepware Server, Kepware Edge und Kepware+ Manager
  • Koordination des Rollouts über mehrere Standorte für Unternehmen mit mehreren Werken oder Regionen
  • langfristige Begleitung der OT-Kommunikation, während sich Geräte, Protokolle und Compliance-Anforderungen verändern
  • Projektdurchführung von Anfang bis Ende, von der Einzelinstallation bis zum globalen Konzern-Rollout

Als zertifizierter Kepware+-Partner und OT/IT-Systemintegrator begleitet TT PSC den gesamten Lebenszyklus, von der Auslegung bis zum laufenden Betrieb, einschließlich umfassender Lizenzierungs- und Implementierungsleistungen für Kepware, die eine reibungslose Inbetriebnahme und dauerhafte Leistung sichern.